Freiburger Fragmente

  Urheberrecht: Maksim König  


Lehr- und Forschungsgebiet Denkmalpflege
Ausstellung „Freiburger Fragmente“
in der Archäologischen Sammlung der Universität Freiburg

 


Die „Freiburger Fragmente“
Vor über 100 Jahren, zu Beginn des Jahres 1906, gelangten 14 Holzkisten aus dem Vorderen Orient nach Freiburg. Darin befanden sich 41 Architekturteile der römischen Tempelruinen aus Baalbek im heutigen Libanon. Dort hatte Otto Puchstein, Freiburger Professor für Klassische Archäologie, von 1900 bis 1904 die Ausgrabungen geleitet. Im Rahmen der damals üblichen Fundteilung erhielt die Universität Freiburg diese Architekturfragmente als Anschauungsmaterial zur antiken Bautechnik und der reichen Bauornamentik der römischen Kaiserzeit. Die Kalksteinfragmente vermitteln einen Eindruck von der imposanten Größe der Bauten Baalbeks. Zudem geben sie eine unmittelbare Anschauung von römischer Steinmetzkunst und beeindrucken durch ihre präzise gearbeitete Ornamentik.

  Holzkisten mit Teilen römischer Tempelruinen  

Spätestens nach dem 2. Weltkrieg gerieten die Baalbekfragmente wieder in Vergessenheit. Erst 1965 wurden die größeren Bauteile im Innenhof der Alten Universität zu einer Architekturrekonstruktion mit Zement verbunden, wo sie immer noch stehen. Weitere Stücke des Altarhofgebälks waren von 1988 bis 2008 in der Archäologischen Sammlung der Universitätsbibliothek ausgestellt. Die meisten Stücke lagerten jedoch bis 2005 in einem konservatorisch unzulänglichen Zustand in einem Tiefkeller. Im Rahmen eines Forschungsprojektes wurden die Freiburger Baalbekfragmente 2005 gesichert und dokumentiert.
Diese Fragmente wurden kürzlich nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und dem Umzug der archäologischen Sammlung neu präsentiert. Ein eigens dafür vorgesehener Raum wurde in Zusammenarbeit von unterschiedlichen Planern, Fachleuten und Handwerkern und mit den Teilnehmern eines Seminars an der RWTH Aachen, Fakultät für Architektur gestaltet, realisiert und im Mai 2011 feierlich eröffnet.

 
Urheberrecht: Gerd Schossow, Daniel Lohmann, Christian Raabe Workshop März 2010
 

Das Seminar
In Vorbereitung einer Exkursion im Mai 2010 des Lehrgebiets Denkmalpflege in den Nahen Osten und nach Baalbek, den Ursprungsort der Steine, wurde dieses Entwurfsseminar in Freiburg im März 2010 durchgeführt.
Das Seminar am LFG Denkmalpflege beschäftigte sich mit der Frage, wie Architekten mit bauhistorisch-denkmalpflegerischem Hintergrund eine Ausstellung solch wertvoller Exponate anspruchsvoll gestalten können. Es wurden Konzepte entwickelt, die die Herkunft und den kulturellen Zusammenhang der Objekte, aber auch Ihre Ästhetik und skulpturale Kunstfertigkeit in ein angemessenes Licht setzen.
In einem fünftägigen Workshop in Freiburg wurden in direkter Auseinandersetzung mit dem Ort und den Fragmenten Konzepte erarbeitet. Themen rund um die Fragestellungen des Seminars wurden an die Teilnehmer vergeben. Darin ging es beispielsweise um die Präsentation von antiken römischen Bauteilen, die Gestaltung von Ausstellungskonzepten für Archäologische Funde (Tafeln, Texte..), um Ausstellungsarchitektur(Vitrinen, Halterungen für die Fragmente, Beleuchtung..), 3D-Modellierung und virtuelle Rekonstruktion von Ruinen, Visualisierung, aber auch um Dokumentation und Verständnis der Fragmente und ihrer Geschichte und ihrem gegenwärtigen Zustand. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Dissertation des Seminarleiters Daniel Lohmann („Die Architektur des Jupiterheiligtums in Baalbek“) im Rahmen eines großen Forschungsprojektes des Deutschen Archäologischen Instituts und der BTU Cottbus flossen ebenso ein wie die unvoreingenommene Kreativität der studentischen Teilnehmer.
Die Ergebnisse des Workshops aus dem Seminar „Freiburger Fragmente“ waren Grundlage für die weitere Planung der Ausstellung. In enger und intensiver Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber, dem Archäologen und Kurator Lars Petersen, dem Ausstellungsdesigner Gerd Schossow sowie Spezialisten und Handwerkern in der Ausführung wurde in elfmonatiger Planungs- und Bauzeit die Dauerausstellung realisiert und im Mai 2011 feierlich eröffnet.

 

Dauerausstellung im Foyer der Sammlung
Die Ausstellung umfasst drei Teile. Mittelpunkt ist die „Baalbekwand“ von 4m*5,40m , an der im Maßstab 1:1 eine historische Bauaufnahme als Grundlage und visuelle Orientierung für die Anbringung von Fragmenten des Gebälks der Altarhofhallen dient. Weiterhin ist an ihr eine Hängevitrine für besonders kunstvolle Kleinfragmente angebracht. Links dieser Wand erklärt ein Text- und Bildpaneel den Ort Baalbek in Geschichte und Gegenwart, die Eigenarten des antiken Heliopolis und bietet auf einem digitalen TFT-Bildschirm Eindrücke aus den aktuellen Forschungen in Baalbek. Gegenüber, rechts der Baalbekwand ist ein „Regal“ aufgestellt, das weitere Fragmente in abstrahierten Fundkisten zeigt.
Für die Realisierung stand ein beschränktes Budget zur Verfügung. In Zusammenarbeit mit der Institutsleitung wurde ein Konzept entwickelt, das die sukzessive modulare Erweiterung der Ausstellung mit minimalem Aufwand ermöglicht. Das Vitrinenregal an der rechten Seitenwand nimmt bisher drei große Fragmente auf. In Zukunft ist es möglich, das Regal auf die ursprünglich gewünschten neun Kisten zu erweitern.